Deutsche Blindenstudienanstalt Marburg fühlt sich wohl in Bischofsmais

Bischofsmais. Zum 24-mal bereits kommt die deutsche Blindenstudienanstalt aus Marburg zu Besuch in das Schullandheim nach Habischried. Dazu konnte Helmut Plenk, der derzeit amtierender Bürgermeister ist, das Lehrerkollegium sowie die Schüler recht herzlich begrüßen. Plenk, der in seiner Funktion als Behindertenbeauftragter und VdK-Geschäftsführer ohnehin zu dieser Gruppe einen sehr engen Kontakt pflegt freut sich immer wieder auf dieses Treffen, welches in der Zeit vom 11.02.-23.02.2018 stattfand. Stammt ja auch die 12fache Paralympicsiegerin Verena Bentele aus dieser Schule, die Helmut Plenk ohnehin sehr gut kennt.

Im o.g. Zeitraum reisten 2 neunte Klassen mit jeweils 8 SchülerInnen

(7 Blinde und 9 Sehbehinderte, zusätzlich zwei  Schüler mit Hörbehinderung (einer sehbehindert, einer blind) an. Die blinde Schülerin Vanessa erzählte Plenk, daß Sie aus Marburg mit dem Zug in den Bayerischen Wald angereist sind und schließlich in Triefenried ausstiegen. Mit Bussen trafen sie dann im Schullandheim in Habischried ein. Es war eine schöne sehr schöne Zugfahrt, so die Schüler.

Es kümmern sich 14 Betreuer/Innen: davon 9 Skilehrer/Innen und 5 Betreuer/Innen. Es steht allerhand auf dem Programm:

Jeweils ein Fortbildungstag für die Skilehrer zu den Themen Skilanglauf und Ski Alpin mit Sehbehinderten

– 4 Tag Skilanglauf mit  1:2-Betreuung und gemeinsamer Abschlusstour zum Landshuter Haus

– Tagestour nach Regensburg

– sechs halbe Tage Ski Alpin mit 1:1-Betreuung (vom BigFoot über den Kurzcarver zum normalen Langski

– zusätzlich während der Alpinwoche halbtägige Arbeit in Projektgruppen (Outdoor, Muski, Dokumentation (Film und Foto)

– zusätzliche Aktivitäten (Rodeln, Fackelwanderung, Lagerfeuer mit Stockbrot, Spielen, Filmabend, Vorleseabend, etc.

Hervorzuheben sind von unserer Seite, so der Lehrer Gerrit Arnold, die hervorragenden Rahmenbedingungen im Landschulheim, im Geisskopf-Skigebiet und im Loipengebiet (eigene Loipen für unsere SchülerInnen zum Eingewöhnen). Plenk übereichte ine Wappen der Gemeinde Bischofsmais, welches die Schule in Marburg zieren soll. Von den Schülern erhielt Plenk einen Marburger Schnaps und ein T-Shirt welches mit einem  schönen Spruch geziert ist.

Das Projekt der Schule wird wie folgt beschrieben:

Skifahren mit Blinden? Wie soll das denn gehen?

Von Gerrit Arnold

Diese Frage hören wir immer wieder, wenn wir von der Wintersportfreizeit der Carl-Strehl-Schule (Dt. Blindenstudienanstalt) erzählen.

Die Carl-Strehl-Schule ist ein Gymnasium für Blinde und Sehbehinderte. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler fit gemacht werden für das Leben nach der Schule. Dies gilt nicht nur für die Hauptfächer wie Mathe und Deutsch, sondern eben auch für den Sport:

So bereiten sich alle Neuntklässler ein Halbjahr intensiv im Sportunterricht auf die anstehende Wintersportfreizeit vor. Ausdauer, Koordination, Gleichgewichtstraining stehen dabei auf dem Programm.

Derart vorbereitet geht es dann im Februar in den Schnee. Zwei Wochen lang halten wir uns in einem Landschulheim in Habischried (Bayrischer Wald) auf. In der ersten Woche steht der Skilanglauf, in der zweiten Woche Ski Alpin im Vordergrund. Es ist allerdings erklärtes Ziel, nicht nur den Skilauf, sondern den SchülerInnen alles das zu vermitteln, was mit der Winterwelt zu tun hat. Dementsprechend sind Rodeln, Schlittschuhlaufen, Winterwandern, der Bau einer Schneebar etc. weitere Angebote.

Und die Verletzungsgefahr, wenn Blinde Ski fahren?

Die Statistik spricht eine eindeutige Sprache: Das Projekt findet seit 1977 statt und seit dieser Zeit hat es keinen Unfall gegeben, der auf die jeweilige Sehbehinderung zurückzuführen ist.

Aber wie sieht das jetzt genau aus, wenn Blinde Ski fahren?

Der Einstieg in die Winterwelt geschieht über die Langlaufskier. Hier können die Alltagsbewegungen des Gehens auf den Langlaufski übertragen werden. Dies geht umso besser in freiem unverspurtem Gelände. Auch die ersten Abfahrten auf Langlaufski finden nicht in der Loipe, sondern in möglichst weichem und unberührten Schnee statt. Erst wenn die SchülerInnen hier in der Lage sind, sich sicher fortzubewegen, kommt das Laufen in einer ebenen Loipe hinzu, bevor auch leichte Abfahrten in der Loipe thematisiert werden. Höhepunkt der Langlaufwoche ist eine Abschlusstour mit verschiedenen Startpunkten, sodass jeder auf seinem Niveau gefordert ist, und einem gemeinsamen Endpunkt mit zünftigem Hüttenzauber.

Beim Ski Alpin ist eine hohe Betreuungsdichte und eine genaue Geländewahl unverzichtbar. So arbeiten wir mit einer 1:1-Betreuung und starten an einer ganz flachen Übungswiese, an der wir unseren eigenen Lift aufbauen (ein Drahtseil, in das man sich einklinken kann). Die ersten Schritte finden also außerhalb des öffentlichen Pistenrummels statt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Auswahl des Gerätes, so starten unsere Schüler auf Big Foots, um auch hier wieder Alltagsbewegungen übertragen zu können.

Nach dem gemeinsamen Start entwickeln sich die Lernprozesse absolut individuell. Jeder Lehrer entscheidet mit seinem Schüler, wann er auf einen Kurzcarver und im nächsten Schritt dann auf den Langcarver umsteigt, wann er auf den öffentlichen Übungshang und später auf die blaue oder die rote Piste wechselt.

Es kann also durchaus sein, dass am dritten Alpintag der eine Schüler noch auf der eigenen Übungswiese ist, während ein anderer bereits rote Pisten befährt. Auch hierbei ist es wieder Ziel, jeden einzelnen auf seinem Niveau optimal zu fördern.

Ein weiteres Ziel ist es, die SchülerInnen in die Lage zu versetzen am Ende der Fahrt mit einem sehenden Betreuer (Verwandte, Freunde) diesen Sport ausüben zu können, damit es nicht bei diesem zweiwöchigen Erlebnis bleibt.

Sollten bei den Sehbehinderten oder aber bei den potentiellen Betreuern doch Vorbehalte bestehen oder ein gemeinsames Skilaufen aus anderen Gründen nicht realisierbar sein, so besteht die Möglichkeit an integrierten Skifahrten der Skiabteilung in einem Marburger Verein (Blau-Gelb Marburg) teilzunehmen. Die Schule kooperiert mit dieser Skiabteilung personell, materiell und konzeptionell. Eine weitere Kooperation besteht mit dem Fachbereich Sport der Philipps-Universität Marburg, die es uns beispielsweise ermöglicht sowohl in der Schule als auch im Verein auf genügend qualifizierte Blinden-Skilehrer zurückgreifen zu können, sodass gute Grundlagen geschaffen sind, den Schülern eine gesellschaftlich relevante Sportart zu vermitteln, zu der ein Blinder normalerweise keinen Zugang hat

Foto (Andrea Plenk). Helmut Plenk mit den SchülerInnen und LehererInnen der Schule Marburg.