Die Melankomischen begeistern ihr Publikum

Einen wahrlich fulminanten Abend boten die Melankomischen am Freitag im bis auf den letzten Platz gefüllten Baderhaus. Tosender Beifall der Besucherinnen und Besucher begleitete ein ebenso vielseitiges wie anspruchsvolles Programm, das durch musikalische Versiertheit sowie eine teils nachdenkliche, teils kritische, teils humorvolle und bisweilen sarkastische Wortgewandtheit in jedem einzelnen Lied überzeugte.

Im Foto v. li.: Robert Wöller, Veronika Schagemann, Ottmar Kraus, Valentin Haslinger; Foto: Anja Reithmeier

Im Foto v. li.: Robert Wöller, Veronika Schagemann, Ottmar Kraus, Kulturausschuss-Vorsitzender Franz Hollmyayr, Valentin Haslinger; Foto: Anja Reithmeier

Der Name der Gruppe ist dabei tatsächlich Programm: Melancholie und Selbstironie verbinden sich gekonnt zu besinnlichen, absurden und satirischen Texten, die stets in ein passendes musikalisches Gewand gehüllt sind. So zeigt sich die Musik einmal harmonisch und sanft, dann wieder bewusst schräg und lebhaft – stets abwechslungsreich und überraschend.

Der Gesang von Veronika Schagemann (Gesang, Gitarre) und Ottmar Kraus (Gitarre, Gesang, Percussion) wird von einem stimmigen Gitarrenteppich getragen, den Robert Wöller webt und der stellenweise auf einem soliden Bassfundament ruht. Flirrend leichte Akkordeonklänge wiederum entführen die Zuhörenden in andere Sphären – meisterhaft dargeboten von Valentin Haslinger, der neben dem Akkordeon auch (Kontra-)Bass und Klavier bedient.

Inhaltlich spannt sich der Bogen der überwiegend selbst geschriebenen Lieder von der Familie und Verwandtschaft, die „immer für dich da ist“, auch wenn man sie mag – oder eben nicht –, bis hin zu kleinen, lebensnahen Erkenntnissen wie jener, dass man „beim Minigolf gelernt hat, mit Anstand zu verlieren“. So erzählen die Stücke „von gluckernden Bächen und vom Blau der Zwetschgen, von gehetzten Beobachtungen in der Stadt, von der Zeit und dem Altern, von den täglichen Entscheidungen im Leben, vom Übermut, vom Alleinsein und vom Miteinandersein, von der Freude und vom Erinnern“.

Auch sozialkritische Momente fehlen nicht: Sie erinnern daran, dass es im Krieg keine Gewinner gibt, oder nehmen den Geld-„schein“ als etwas vermeintlich Sakrales aufs Korn, das man für seine „Himmelfahrt ins Glück“ sammelt – ganz nach dem Motto: „Geld, Geld, Geld – danach tickt die Welt!“ Doch, so die klare Botschaft, „nichts davon kann man mitnehmen“.

Das beeindruckende Wortfinden und Wortverdrehen der Melankomischen – ganz gleich, ob auf Deutsch oder Bayrisch – gipfelte an diesem Abend schließlich in einem Wintergedicht über einen Schneemann und seine in Schneewehen liegende Ehefrau und sorgte für besondere Heiterkeit im Publikum.

Ob bayrisch, wienerisch, hochdeutsch oder platt, ob französisch, englisch oder portugiesisch: Sprachliche Vielfalt wurde an diesem Abend gekonnt und mit großer schauspielerischer Gewandtheit präsentiert – zumeist sogar auswendig vorgetragen. Ein Abend, der noch lange nachklingt und das Publikum nachhaltig begeistert zurückließ.